Klangtrance und Kotamo

Klangtrance und Kotamo

Seine Arbeit ist nicht nur musikalisch, sondern vor allem zutiefst menschlich: Seit 2013 ist Peter Guldin als Musiktherapeut auf der Palliativstation des St. Marienkrankenhaus unterwegs.

Sein Angebot ist flexibel, einfühlsam und individuell. Ob gemeinsames Singen, Klangmeditationen oder einfach nur Musik hören – alles ist möglich.


Mit feinem Gespür passt sich Peter Guldin dem jeweiligen Zustand der schwerkranken Menschen an Mal verbringt er Stunden bei einem Patienten, mal nur Minuten. Dabei kommen Instrumente wie Klavier, Akkordeon, Monochord oder Klangschalen ebenso zum Einsatz wie der gemeinsame Gesang oder das gemeinsame Zuhören.
Es kommt auch vor, dass Angehörige mit ihm im Aufenthaltsraum Volkslieder singen. Einmal brachte er eine ehemalige Sängerin dazu, Schlager aus den 1960ern zu performen – „die Krankenschwestern weinten vor Rührung“, erinnert er sich. Oft jedoch sei seine Arbeit ein „Fürspiel“, ein Spielen für die Patienten ohne deren aktive Beteiligung. Auch in der präfinalen Phase bleibt Musik ein verlässlicher Begleiter. „Das Gehör arbeitet bis zuletzt. Wenn die Atmung ruhiger wird, weiß ich: Die Musik bewirkt etwas.“


Vertrauen, Klang und innere Bilder

Eine typische Sitzung beginnt mit einem Gespräch, um Nähe und Vertrauen aufzubauen. „Oft frage ich, ob eine Entspannung guttäte“, erzählt der Musiktherapeut. Dann folgt die „Klangphase“: Mit einfachen Melodien und harmonischen Akkorden hüllt er die Patienten in einen Klangteppich ein, der Ängste und Anspannung löst. In der anschließenden Imaginationsphase lädt er sie dazu ein, innere Bilder zu erkunden – Erinnerungen, Kindheitsorte oder Traumreisen, die sie aus der Krankenrolle herausholen. „Niemand ist nur Patient“, betont er. „Ich will den Menschen in den Vordergrund stellen.“


Sanfte Klänge vom Monochord

Gerne bietet er den Patienten eine Klangtrance an, eine Form der Tiefenentspannung, die an Hypnotherapie angelehnt ist. Sanfte Klänge von Monochord, Klangschalen oder dem „Kotamo“ (einer Kombination aus Koto, Tambura und Monochord) schaffen eine Atmosphäre der Ruhe, die den Blutdruck senkt und den Fokus vom Schmerz weglenkt. Peter Guldin glaubt, dass es einen Zusammenhang zwischen Stress und Immunsystem gibt und dass Stress hinderlich für die Gesundheit ist.
Seine Musik ist kein Selbstzweck, sondern dient dazu, die Patienten zu unterstützen und ihnen Trost zu spenden. „Musik ist Psychotherapie“, sagt er. „Es geht darum, Belastungen anzusprechen, aufzugreifen, zu thematisieren und zu bearbeiten.“ Und auch der eigene Tod und Krankheit sind Themen, die bei der Arbeit auf der Palliativstation unumgänglich sind. „Hier braucht man Empathiefähigkeit und trotzdem einen professionellen Umgang.“ Nicht zu vergessen eine gehörige Portion Humor – zusammen zu lachen, auch über den Tod, kann die Situation entspannen.


Von der Kindheit am Klavier bis zur Palliativmusiktherapie

Mit zehn Jahren begann Guldin mit dem Klavierspiel, ein Musikwissenschaftsstudium in Heidelberg folgte, später über 30 Jahre Lehrtätigkeit an verschiedenen Musikschulen. 2012 qualifizierte er sich zum Musiktherapeuten, spezialisierte sich auf Psychoonkologie und Palliative Care. Heute finanziert das St. Marienkrankenhaus vier Stunden seiner Arbeit pro Woche, drei Stunden übernimmt der Förderverein Hospiz und Palliativ für Ludwigshafen und den Rhein-Pfalz-Kreis. Daneben ist Guldin auch in Hospizen auf der anderen Rheinseite tätig.


Zuhören, sprechen, einfach da sein

„Zuhören ist ein ganz wichtiger Aspekt der Arbeit“, sagt er. „Gespräche sind ein ganz großer Teil der Musiktherapie. Es geht vor allem darum, einfach da zu sein. Dadurch kann man so viel geben.“ Er ist dankbar für die Zeit, die er mit den Patienten verbringen kann, und ist oft überrascht, wie viel er durch seine Anwesenheit und unverbindliche Alltagsgespräche jemandem geben kann, der sonst keinen Kontakt mehr hat mit anderen Menschen.(ako)

16.2.26
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